Heilig-Kreuz-Lütter

"How I met my father": Jugendumfrage und Gottesdienst in Lütter

 „Wieso sind kaum Menschen meines Alters in der Kirche?“ Diese Frage hat Milena Faulstich, 19-jährige Abiturientin des Marianum Fulda, umgetrieben. Im Rahmen der sog. „Besonderen Lernleistung“, einer Hausarbeit, die fürs Abitur zählt und von Religionslehrer Michael Klüppel betreut wurde, befragte die junge Frau aus Lütter mit einem selbstkonzipierten Fragebogen Jugendliche ihres Heimatdorfes. Was ist den jungen Leuten überhaupt wichtig im Leben? Wie denken Sie über den Glauben, die Kirche, die Gottesdienste? „Es war mir ein persönliches Anliegen herauszufinden, was genau zwischen Kirche und Jugendlichen nicht so klasse läuft und was okay ist. Vor allem interessierte mich, wie Gottesdienste gestaltet sein müssten, dass sich Jugendliche hier wiederfinden können“. Milena ist in einer christlich geprägten Familie groß geworden und sieht sich selbst auf dem Boden des Glaubens. Zudem hat sie als Musikerin schon an vielen Taufen, Hochzeiten und anderen Gottesdiensten mitgewirkt.

 
In ihrer Arbeit setzt sich die Abiturientin zunächst mit der Liturgiegeschichte auseinander. Denn im Laufe der Jahrtausende haben Gesellschaft, Kirche und immer wieder auch Einzelne den Gottesdienst umgeformt und den Zeiten angepasst. Wie ist das heute? „Meine These war, dass junge Leute das Gefühl haben, die üblichen Gottesdienstformen seien veraltet und kämen ihnen gar nicht entgegen“, so Milena Faulstich. Ihr Fragebogen enthielt u.a. diese Fragen: „Durch was lässt sich der Wohlfühlfaktor der Jugendlichen im Kirchenraum und Gottesdienst verbessern?“„Wie wichtig ist für dich die Eucharistiefeier im Gottesdienst?“„Wie entscheidend ist Musik für dich in der Kirche?“ „Wie ausschlaggebend findest du die Predigt?“ „Kannst du im Gottesdienst Gemeinschaft finden?“ Mehrere Dutzend Lüttnerinnen und Lüttner zwischen 16 und 25 Jahren antworteten. Mit dieser Resonanz ist Milena sehr zufrieden: „Ich habe gelesen, dass das ein ziemlich guter Rücklauf ist. Man kann einiges anfangen mit dem, was da zurückkam“. 


Und was kam zurück? „Die Ergebnisse haben mich teilweise schon überrascht“, räumt Milena Faulstich ein. Die Jugendlichen zeigten sich nicht grundsätzlich ablehnend oder religiös ungerührt, im Gegenteil: die Auswertung ergab, dass es gar nicht die ganz großen Reformen braucht, um Kirche und Gottesdienst für Jugendliche attraktiver zu machen: ansprechende neue Musik, gute, kurze Predigten und das Miteinander von Laien und Kirchenprofis stehen ganz oben auf der Wunschliste der Befragten. Andere Gottesdienst-Räume sind nicht unbedingt notwendig. Im Gegenteil, alte, vertraute Kirchenräume sind den Jugendlichen wichtig. Milenas Fazit: „Gottesdienste, die nur ein bisschen anders sind als üblich, könnten schon irre gut ankommen bei Leuten meines Alters, ein abgefahrenes Alternativprogramm ist gar nicht notwendig“.  


Auf Theorie folgte die praktische Umsetzung. Mit den Resultaten ihrer Umfrage im Kopf konzipierte die Schülerin einen eigenen Gottesdienst mit dem Leitwort „How I met my father“ (eine witzige Anspielung auf die Comedy-Serie „How I met your mother“). Sie studierte mit ihrer Band ein paar Songs ein und bat den Lüttner Diakon Rupert Scheule, mit ihr zusammen den Gottesdienst zu leiten. Diese Feier hat nun vor ein paar Tagen stattgefunden. Sie fand guten Zuspruch, - und zwar nicht nur unter den jungen Leuten.


„Ich weiß nicht, wie oft ich hinterher gehört habe: ‚Das musst du unbedingt wieder machen!‘ Naja, so eine aufwändige Umfrage mache ich so schnell nicht wieder, aber noch einmal einen Jugendgottesdienst, der berücksichtigt, was ich herausfand, das kann ich mir schon vorstellen“.  


Text: Franziska Scheule-Walter

Bilder: Timo Hesterberg